Zeichnung Fessler Mühle
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Die Fessler Mühle zählt zu den ältesten Mühlen im Land

Die Fessler Mühle im Jahr 1890

Die Fessler Mühle in Sersheim, Landkreis Ludwigsburg gehört mit zu den ältesten Mühlen im Land. Urkundlich wurde die Getreidemühle als Untere Mühle in Sersheim erstmals 1396 in einer Urkunde erwähnt. Der Müller gibt 6 Heller aus seinem Wieslein vor der Mühle für eine Frühmesse. In den folgenden Jahren wurde die Fessler Mühle öfters umgebaut und so ist die Mühle im Lagerbuch von 1578 nicht mehr mit einem, sondern mit zwei Mahlgängen beschrieben. Auch sonst hat die Sersheimer Mühle eine lebendige Vergangenheit. Ende 1600 zogen immer wieder französische Truppen an der Mühle vorbei, bis schließlich der Franzosengeneral Melac sein Quartier in der Unteren Mühle zu Sersheim aufschlug. So wurde 1692 die Mühle von französischen Truppen teilweise verwüstet und ausgeplündert. Im Hungerwinter 1693/94 ist im Sersheimer Kirchenbuch überliefert, dass Müller Christian Schmidt verdorben und des Hungers gestorben ist. Weiterhin ist zu lesen am 16.01.1694 folgten ihm seine Frau und ihr Söhnlein. Der Müller Adam Messerlin baute schließlich von 1701 bis 1705 die Mühle wieder auf. Ihm zu Ehren findet in jedem Jahr in Sersheim der Messerlin- Mehrkampf statt. Die Mühle ging in den folgenden Jahren mehrmals in Konkurs und wurde ständig weiter ausgebaut. So ist in der Oberamtsbeschreibung des Oberamtes Vaihingen an der Enz 1856 zu lesen, dass die Mühle nun neben den zwei Mahlgängen einen Gerbgang und eine Gipsmühle sowie eine Haferreibe besitzt. 1876 ging die Untere Mühle in Sersheim in den Besitz der Familie Fessler über, die sie heute noch betreibt

 

Wilhelm Feßler mit seiner Famlie übernahm die Fessler Mühle 1890 von seinen Eltern Wilhelm Feßler 1918 beim Schärfen der Mahlsteine

Mühlen und Familiengeschichte der Fessler's

 

Es mußte den Fessler schon im Blut liegen – die Müllerei. Denn ihre Verwandten und Vorfahren sind schon vor Jahrhunderten als Müller aufgeführt. So war Jerg Veßler 1585 Mühlenbesitzer in Lutzenreute im Bodenseeraum.


Jakob Feßler kam als österreichischer Religionsflüchtling Mitte 1600 von Backenreute bei Bregenz nach Enzberg bei Pforzheim. Die Familie betrieb in den folgenden Jahren die Müllerei weiter. Sie waren dazu noch Bäcker und Papiermüller in Enzberg. Gottlieb Feßler, zog von Enzberg in die in der Nachbarschaft gelegene Gemeinde Hohenklingen und kaufte mit seiner Frau Christine, geborene Engel, im August 1865 die Hohenklinger Mühle, eine ehemalige Lehensmühle des Klosters Maulbronn.

In einer Transkription des Oberamts Maulbronn vom 14. August 1865 wird die Getreidemühle nebst Wasserbau des Gottlieb Feßler wie folgt beschrieben:

Die Mühle des Gottlieb Feßler liegt eine Viertelstunde unterhalb westlich vom Orte Freudenstein entfernt. In derselben sind im ersten Stockwerk in dem südöstlich gelegenen Mühlraum zwei Mahlgänge und ein Gerbgang aufgestellt. In die rechts an dem Mühlgebäude angebrachte Radstube ist ein oberschlächtiges Wasserrad eingesetzt. Dasselbe ist samt Zellen hoch 21 Fuß 2 Zoll und betreibt mittels eines sogenannten Spreizentalgetriebes die beiden Mahlgänge und mit einem angehängten Riemen den Gerbgang. Das Betriebswasser wird durch ein 2.000 Fuß oberhalb der Mühle in den Weissachbach rechtwinklig eingesetztes Wehr gefasst. Flößerei und Fischerei wird auf dem Weissachbache nicht betrieben. Oberhalb der Feßlerischen Mühle befindet sich kein laufendes Werk. Das zunächst unterhalb liegende laufende Werk ist die eine Stunde entfernte Bergsche Mühle in Knittlingen, auf welche die fragliche Mühle wegen bedeutendem Gefälle und großer Entfernung keinen Einfluss übt und deshalb unberücksichtigt bleibt.

 

In dieser Zeit wurden auch neue Maß- und Gewichtsordnungen erlassen und so bekam Gottlieb Feßler ein Schreiben vom Schultheiß und Ratschreiber des Schultheißensamt in Freudenstein. In diesem Schreiben wurde genau festgelegt, welche Maße und Gewichtseinheiten zukünftig verwendet werden dürfen. So hieß es dort in der für den Norddeutschen Bund erlassenen Maß- und Gewichtsordnung vom 17. August 1868, z. B. statt 1 Zentner nun 50 kg, ein Pfundes nun 0,50 kg, ein Lotes nun 1,56 Neulot, ein Gwintchen nun 3,91 g, eine Simmeres nun 0,22 hl, ein Vierling nun 5,5 Vierliter, ein Ecklein nun 0,69 l, usw.

Weiterhin ist in diesem Schreiben festgehalten: Übrigens ist der Müller zur Haltung einer Waagenuhr verpflichtet, wenn in seiner Mühle Getreide, Hülsenfrüchte, Samen aller Art, Mehl und andere Mühenfabrikate öffentlich feilgeboten werden; also seine Mühle nicht bloß als Kundenmühle betrieben wird (Gesetz vom 06. April 1859) oder wenn er für Bierbrauer etc. Malz schrotet (Erlass des K. Steuerkollegiums vom 02. Dezember 1871, Amtsblatt desselben, Seite 181). Hiernach wird das Schultheißensamt beauftragt, dem Müller Feßler die Anschaffung neuer Maße und Gewichte respektive Stempelung der bisherigen Waage innerhalb des ihm anzuberaumenden Termins aufzugeben und nach Ablauf desselben über die Anschaffung durch Nachvisitation Grund machen zu lassen. Im Fall des Nichtvollzugs dieser Anordnung würde gegen den Müller strafrechtliche Untersuchung eingeleitet werden. Auch dürfen die alten Maße, Gewichte sowie die bisherige Waage ohne neue Stempelung in seiner Mühle nicht mehr getroffen werden. Dies ist mit Bericht über den Erfund bis zum 30. des Monats wieder hier vorzulegen.

 

Streitigkeiten wegen des Wasserrechts gab es des öfteren. So wurde im Oberamt Maulbronn am 11. August 1870 z. B. folgendes verhandelt: Gottlieb Feßler, Müller hier, und Johann Christian Wilhelm in Hohenklingen beschweren sich darüber, dass die Wässerungsfalle, und zwar die obere, immer noch nicht gezogen ist, und das Wasser doch schon drei Wochen eingestellt ist. Feßler gibt an, dass solange die Falle nicht gezogen werde, ihm jeden Tag ein Schaden entstehe dadurch, dass er nicht Mahlen könne. Wilhelm erklärt, dass ihm dadurch ein Teil seiner angrenzenden Wiese überschwemmt worden und ihm ein Schaden an Futter verursacht worden ist. Nach einem gehörigen Hin- und Herstreit, u. a. mit verschiedenen Gemeinderäten, wird weiter unten weiterhin aufgeführt: „Wenn diese Angelegenheit innerhalb acht Tagen nicht ins reine kommt und namentlich, wenn die Stellfalle, nachdem seit drei Wochen nicht gewässert wird, nicht innerhalb 24 Stunden gezogen wird, man sich genötigt sieht, im Interesse der Mahlenden sowohl als des Mühlenbesitzers sich an das Königliche Oberamt zu wenden. Laut der Abmessungen der fraglichen Stellfalle durch die Urkundspersonen misst dieselbe 2,5 Fuß hoch, während nach dem Vertrag vom 02. Juli 1751, laut Lagebuch heißt es: „Thal braithe hoch soll die Falle seyn. Wegen dieser höheren Stellfalle sind die beiden Wiesenbesitzer bereits straffällig sowie dem Müller Feßler schadensersatz schuldig. Gezeichnet Schultheiß.“

 

Zwei Söhne Gottliebs, Wilhelm und Gottlieb, erlernten ebenfalls das Müllerhandwerk. Als Vater Gottlieb mit 42 Jahren einen frühen Tod findet, schlägt sich die Witwe Christine Feßler so recht und schlecht durch. Später heiratet sie erneut einen Müller namens Caspar Block. Die Eheleute Block verkauften zuerst die Hohenklinger Mühle und kauften am 10.11.1876 die Untere Mühle in Sersheim von Jakob Axter. Dieser hatte die Mühle von der Witwe des Müllers David Weber erworben, dessen Vorbesitzer die Mühle so heruntergewirtschaftet hatten, dass er vakant war (Konkurs). Die Sersheimer Mühle hat von 1558 bis zur Übernahme durch die Blocks/Fesslers im Jahre 1876 neunzehnmal den Besitzer gewechselt. Der Müllerfamilie Schmid wurde 1692 die Mühle von französischen Truppen teilweise verwüstet und ausgeplündert. Im Hungerwinter 1693/94 ist Müller Schmid verdorben und des Hungers gestorben. Seine Frau und ihr Söhnlein folgten ihm am 16. Januar 1694. Der Müller Adam Messerlin baute die Untere Mühle in Sersheim von 1701 bis 1705 wieder auf und sein Sohn Johannes erweiterte sie 1717.

 

Da es sich aber herausstellte, dass der Käufer der Hohenklinger Mühle nicht bezahlen konnte, übernahmen die Feßler auch wieder die Hohenklinger Mühle und führte diese weiter. Die Hohenklinger Mühle schloss ihre Tore am 20.03.1964 unter dem Müller Ernst Fessler. 

 

 

1910 ein Pferdefuhrwerk wird in der Fessler Mühle beladen Blick auf das Mühlengebäude der Fessler Mühle 1915
In der Sersheimer und der Hohenklinger Mühle wurden Schweine gehalten In der Hohenklinger Mühle wurde zusätzlich Weinbau betrieben

1876 waren die Fessler's also Mühlenbesitzer der Unteren Mühle in Sersheim, der heutigen Fessler Mühle. Weiterhin war Bruder Gottlieb Fessler Müller auf der benachbarten Klostermühle Rechenshofen und sie waren Besitzer der ehemaligen Klostermühle des Klosters Maulbronn in Hohenklingen.


 

Es ist Sommer in der Fessler Mühle Es ist Eiszeit in der Fessler Mühle
Es hat Schnee in der Fessler Mühle Es hat Hochwasser in der Fessler Mühle

 

Literatur und Quellennachweis:

 

° Hie gut Württemberg, 600 Jahre Untere Mühle in Sersheim, Dr. Thomas Schulz

° Enzberger Heimatbuch, Friedrich Wissmann 1951

° Sersheim - Geschichte und Geschichten, Gemeinde Sersheim 1992

° Vorarlberger Landesarchiv

° Hauptstaatsarchiv Stuttgart

° Kirchenarchive: Sersheim, Enzberg, Niefern, Bregenz

° Familienarchiv Wolfgang Fessler, Sersheim

° Familienarchiv Dr. Hubert Fessler, Innsbruck



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