Sie sind selten geworden, die Zeitzeugen schwerer körperlicher Frauenarbeit aus vergangenen Zeiten. Noch in den 30er und 40er Jahren waren sie zu sehen und auch damals schon eine Rarität in unserer Region, Frauen, die ihre Lasten auf dem Kopf getragen haben. Noch um 1900 war es landauf und landab üblich, dass Frauen Lasten auf dem Kopf getragen haben, zusätzlich natürlich auch noch die Hände voll gepackt hatten. Ob es darum ging Wasser am Brunnen zu holen, Futter für die Haustiere zu besorgen oder die Teigschüsseln ins Backhaus zu transportieren: vieles geschah zusätzlich auf dem Kopf der Frau. Dazu wurde ein sogenanntes „Bäuschle“ benutzt. Ein rundes, wulstartiges, oft aus farbenfrohen Stofffetzen zusammengenähtes „Ruhekissen für die Last auf dem Kopf, das in der Mitte ein Loch hatte um einen besseren Halt zu gewährleisten und vor allem, damit das Wassergefäß auf dem Kopf nicht so drückte. Der Bausch war sicherlich auch ein Stück Schmuckstück ihrer jeweiligen Besitzerin und so kommt es, dass die verschiedensten Variationen existieren, wenn überhaupt, denn die meisten sind längst von den Mäusen zerfressen. Der Gang zum Brunnen in dieser Zeit war für die Frauen auch einer der wichtigsten Kommunikationstreffpunkte, Neues aus dem Flecken wurde besprochen und auch sonst konnte man dabei gleichzeitig wichtiges mit Gleichgesinnten abklären. Das Sersheimer Mühlen- und Heimatmuseum in der Fessler Mühle hat nun wieder einen Bausch aus Familienbesitz einer Ensinger Familie erhalten und somit seine umfangreiche Sammlung um ein weiteres Prunkstück vergrößern können. Zum Bausch gehört natürlich auch die Krugstatt, jene Sitz- und Abstellsteine, die in jeder Gemeinde am Feld- und Wegesrand aufgestellt waren, um auf dem höheren Stein die Kopflast und am niedrigen Stein die Armlast und sich selber zum Ausruhen abzustellen. Auch die Krugstatt verschwand vielfach in den 70er Jahren, wurde aber heute wieder nachgebaut als Zeitzeugen vergangener Arbeitskultur. Das Bild zeigt eine Krugstatt in Sersheim, auf dem in den 60er Jahren eine ganze Familie ausruhte und gleichzeitig fürs Fotoalbum posierte.
